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Re: Hard Life addon
  Milchknilch
02.02.2017, 22:00
Re: Hard Life addon
  dusty
02.02.2017, 19:48
Re: Hard Life addon
  Milchknilch
01.02.2017, 23:24
Re: Hard Life addon
  dusty
01.02.2017, 21:07
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Ersteindruck

Lange genug hat es ja gedauert, bis das bereits vor einem Jahr in Russland erschienene Werk von Apeiron auch bei uns in Deutschland erhältlich war. Als reines Fanprojekt von russischen Jagged Alliance Fans gestartet, bekommt das Projekt später etwas professionelle Unterstützung. Häufig wird es auch als "russisches Jagged Alliance" tituliert. Als deutscher Publisher fungiert Peter Games, welcher ein Ableger von Morphicon ist.

Die Verpackung macht schon mal einen soliden Eindruck. Ein aufklappbarer Pappkarton mit Reliefdruck und ein paar Screenshots in dem die DVD-Plastik-Verpackung mit dem 64-Seiten starken Handbuch steckt. Auch die Introvideos stimmen gut auf das Geschehen ein und sehen gar nicht mal schlecht aus. Nur warum wird denn die Geschichte von einem Mann erzählt, wo ich doch einen weiblichen Protagonisten gewählt habe?

Apropos Protagonisten wählen: Zur Auswahl stehen mehrere fertige Söldner, die alle einen eigenen Lebenslauf und verschiedene Grundwerte in den einzelnen Fertigkeiten haben. Außerdem wählt man noch den Beruf des Söldner aus (Sniper, Techniker, Arzt etc.) welcher ebenfalls die Grundwerte ändert. Leider sind einige dieser Grundwerte nicht selbsterklärend. Was bedeutet die Fähigkeit "Gunfighting", die neben der Fähigkeit "Schiessen" existiert? Das Handbuch ist da leider keine Hilfe. Überhaupt gibt es einige Unstimmigkeiten bei den Fähigkeiten. Will man später einen neuen Söldner anheuern, wird eine Liste mit seinen Fähigkeiten eingeblendet, wobei die meisten aber gar nicht im Profil des eigenen Söldners bzw. eines anderen, bereits angeworbenen Sölder existieren. Fähigkeiten wie "Genauigkeit", "Zielschiessen", "Technik" und "Verkleidung" gibt es im eigentlichen Profil gar nicht. Wahrscheinlich handelt es sich hier um ein paar sehr grobe Übersetzungsfehler. Denn im Profil heißen diese Fähigkeiten z.B. "Pionier" und "Tarnung". Die Werte für Stärke, Ausdauer, Geschicklichkeit usw. werden beim Rekrutieren leider gar nicht angezeigt. Nach Festlegen des Berufs kann man noch einen Jagged Alliance 2 ähnlichen Test mit mehren Fragen und Antworten bestreiten, bei dem unter anderem auch Problembär Bruno erwähnt wird, bevor man mitten in Palinero steht. Der Test beeinflusst ebenfalls die Fähigkeitswerte. Wenn man will, kann man den Test auch überspringen und startet mit den Werten des gewählten Söldners.

Die Optik

Für ein Spiel aus dem Jahre 2006 ist die Grafik hoffnungslos veraltet. Es gibt nicht sehr viele unterschiedliche Texturen und die meisten sehen auch noch ziemlich verwaschen aus. Besonders störend empfindet man die zum Teil sehr kargen Level. In Gebäuden fehlen Einrichtungsgegenstände, die meisten Räume sind einfach leer. Das lässt die Spielwelt sehr steril aussehen und bringt außerdem einen erheblichen Mangel an Deckungsmöglichkeiten. Allerdings bezieht sich diese Detailarmut nicht auf alle Gegenden des Spiels. Einige Städte wie die Schmugglerstand Cali Cantinos sind wesentlich detailreicher als die erste Stadt Puerto Torro.

Optischen Detailreichtum findet man vor allem in den militärischen Dingen des Spiels. Leere Patronenhülsen werden ausgeworfen und bleiben auf dem Boden liegen, man sieht Personen an, welche Waffen sie tragen und es gibt hübsche Effekte wie Leucht- und Mündungsfeuer.
An sich ist die Darstellung recht flüssig, nur gelegentlich kurz auftretende Ruckler stören unabhängig von der gewählten Auflösung den Spielfluss. Bei mir läuft das Spiel bei einer Auflösung von 1600x1200 Pixeln auf einer nVidia Geforce 6600 GT bis auf die erwähnten Ruckler gut.

Der Sound

Leider ist auch der Sound ziemlich mau. Der Hauptcharakter hat keine Synchronstimme und die der anderen Personen ist kaum abwechslungsreich oder emotional. Es gibt nur wenige Waffensounds und oft hört man diese gar nicht. Ebenso verhält es sich bei Umgebungsgeräuschen.

Die Musikuntermalung fängt ziemlich schnell an zu nerven. Ähnlich wie in Hammer und Sichel schwenkt die Musik bei Kampfhandlungen zu einem E-Gitarrenlastigen Part um. Eben dieser Part hört sich verdammt nach demselben Stück an, welches schon im Weltraumtaktikspiel "Starwolves" zu hören war. Sicher kein Zufall da beide Spiele vom Publisher "1c" vertrieben werden.

Gameplay

Beim Gameplay lehnt sich Brigade E5 an sein Vorbild Jagged Alliance 2 an. Das Spiel spaltet sich in einen Tatktikpart, in dem man in einem Sektor seine Söldner herumlaufen lässt und Gefechte austrägt und einer Übersichtskarte, bei der man seine Mannen von Sektor zu Sektor schicken kann, und die mich etwas an "Fallout" oder "Lost Patrol" erinnert. Man führt mit einem Söldnertrupp Aufträge aus und gibt das verdiente Geld für Waffen, Ausrüstung und Sold aus.

Die Aufträge sind oft ziemlich morbide und spiegeln den moralischen Verfall von Palinero wieder. Da soll man einen UN-Konvoi mit Hilfsgütern vernichten, einem Priester eine Prostituierte für die Nacht besorgen oder einen korrupten Polizisten töten, der Schutzgeld eintreibt. Leider sind diese "Quests" ab und an stark verbugt. Mehrmals habe ich einen Kurierauftrag angenommen bei dem man ein Paket innerhalb einer bestimmten Zeit zu einer Zielperson bringen soll, und kaum dass ich den Auftrag angenommen habe bekam ich schon die Meldung, dass er fehlgeschlagen sei. Einem Priester musste ich "beichten", dass ich seinen Auftrag nicht zu Ende bringen konnte, obwohl ich gar keinen Auftrag von ihm erhalten hatte. Dafür gab mir eine andere Person 10.000 Dollar für die Erledigung eines Auftrages, den ich ebenfalls nie angenommen habe.

Alle ausstehenden Aufträge werden sortiert in einer Liste aufgeführt. Leider verschwinden die Einträge ab und zu um dann später wieder aufzutauchen.
Die meisten Aufträge bestehen darin Personen oder Gegenstände von Punkt A nach Punkt B zu bringen. Es gibt aber auch Attentäter-, Sabotage-, Spionage- und Bodyguardmissionen.
Der Anfang ist recht beschwerlich und zieht sich ziemlich lange hin. Bis man seine erste Maschinenpistole oder gar sein erstes Sturmgewehr in den Händen hält vergeht verdammt viel Zeit. Die Waffen, die man von den besiegten Gegnern erhält sind oft stark verschlissen und bringen im Verkauf nicht viel Geld ein.
Erst als ich die 40.000 Dollar für mein erstes Fahrzeug (Hummer) zusammen hatte gewann das Spiel deutlich an Schwung. Mit dem Fahrzeug macht auch die Rekrutierung weiterer Söldner erst richtig Sinn, da man nicht mehr tagelang damit beschäftigt ist, zu Fuß durch das Land zu laufen. Dabei wird man häufig angegriffen, was zu Beginn frustrierend sein kann, da man dem Gegner meist zahlenmäßig unterlegen ist und durch mangelnde Ausrüstung die Gefechte recht schwer sind. Leider variieren die Karten nicht sehr stark. Man kämpft oft immer wieder auf derselben Karte. Dafür sind diese recht groß und je nach Tageszeit mehr oder weniger gut beleuchtet. Nachts ist es so dunkel, dass man quasi seine eigene Hand nicht mehr vor Augen sieht.
Sobald man dann eine halbwegs brauchbare Ausrüstung zusammen hat, geht es so richtig los und der anfangs sehr hohe Schwierigkeitsgrad lässt etwas nach.

Die Interaktions- und Kommunikationsmöglichkeiten mit anderen Personen beschränken sich fast immer auf die gleichen 3 Sätze, je nachdem mit wem man spricht. Wie bei Jagged Alliance 2 kommt es nur bei bestimmten Personen zu einem Dialog. Auf der sehr nützlichen Übersichtskarte kann man schon vorher sehen wo sich so eine Person im Sektor aufhält. Außerdem sieht man hier auch wichtige Orte und Markierungen und die Standorte der Personen und Wachen im eigenen Blickfeld. Weiterhin gibt es Karteikartenreiter für ein Journal und die Söldnerprofilliste.
Im Spielverlauf kann man sich einer der drei in Palinero vorherrschenden Fraktionen anschließen. Da wären die korrupten Regierungstruppen, die Rebellen des General Tormens und die Schmugglerbande. Wechselt man zu einer der 3 Seiten bekommt man häufig Missionen angeboten und Waffen und Ausrüstung billiger. Allerdings lehnen dann einige Söldner der Gegenseite die Mitarbeit ab.

Was sich leider immer wieder negativ bemerkbar macht ist die teilweise grottenschlechte Übersetzung. Texte wie: "Feind wurde in getroffen", "geh und finde er dort" oder "suche eine Leiche" (anstatt "durchsuche Leiche") lassen mich fragen, warum die Lokalisierung über ein Jahr gedauert hat und trotzdem so schlecht ist. Bei den bereits erwähnten Fähigkeiten führt das zu starker Verwirrung. Auch die Wegfindung der eigenen Truppen ist teilweise sehr skuril weil die eigenen Söldner sehr merkwürdige Umwege zum Bestimmungsort laufen. Vielleicht kann hier noch ein Patch Abhilfe schaffen.

Das Kampfsystem

Das Kampfsystem von Brigade E5 ist die wahre Perle des Spiels. Hier gibt es spannende Gefechte mit sehr hohem Realismusgrad und Spannung. Der Waffennarr findet unzählige Schiesseisen von der simplen Pistole bis zum tödlichen Scharfschützengewehr. Es müssen haufenweise Dinge beachtet werden wenn man sich auf dem Schlachtfeldern Palineros bewegt. Waffen müssen regelmäßig gereinigt und gewartet werden, sperrige Sturmgewehre sind in Gebäuden schnellen Waffen mit kurzem Lauf unterlegen, ein hoher Adrenalinspiegel beeinflusst das Zielverhalten und das bewegen mit feuerbereiter Waffe verringert die Zeit, die für einen Schuss benötigt wird. Seltsamerweise schießt der Gegner mit einer göttlichen Präzision, was manchmal Frust aufkommen lässt und zur häufigen Benutzung der Schnellspeichern und -ladentaste führt. Während mein Protagonist nur den Stein vor sich (die eigene Deckung) trifft, verpasst mir ein gegnerischer Schütze über 30 Meter Entfernung mit einer verschlissenen Pistole einen Kopfschuss. Es ist zwar möglich eine Zielhilfe in den Optionen zu aktivieren, die einem die Trefferwahrscheinlichkeit anzeigt, aber mit der scheint einiges nicht zu stimmen. Denn manchmal wird zwar eine Trefferwahrscheinlichkeit "hervorragend" angezeigt, aber mein Söldner feuert trotzdem alle Schüsse neben das Ziel.

Das Kampfsystem ähnelt dem von UFO:Aftershock ist aber deutlich spannender. Im Prinzip läuft alles in Echtzeit ab. Jede Aktion dauert eine gewisse Zeitspanne, die bis auf einhundertstel Sekunden genau berechnet wird. Bei bestimmten selbst definierbaren Ereignissen pausiert das Spiel und erzeugt damit ein ähnliches Gefühl wie bei einem rundenbasierten Taktikspiel. Auf diese Weise lassen sich Aktionen gleichzeitig ausführen und viel kompliziertere Taktiken anwenden als das bei einem rundenbasierten Spiel möglich wäre und wirkt dabei gleichzeitig deutlich realistischer.

Auch die künstliche Intelligenz überzeugt. Häufig versuchen Gegner Umzingelungstaktiken, greifen meine Flanke oder in meinem Rücken an. Außerdem verwenden sie Granaten und geben sich selber Feuerschutz. Mit stur drauflos ballern hat man meist keine Chance gegen den häufig zahlenmäßig überlegenden Feind. Mann muss schon ein bisschen in die Trickkiste greifen und z.B. versuchen den Gegner in seiner Flanke zu erwischen.

Fazit:


Wer die reichlichen, teils oberflächlichen Mängel des Spiels tolerieren kann, wird ein klasse Taktikspiel erfahren. Das Kampfsystem ist konkurrenzlos und meiner Meinung nach wesentlich besser als jedes rundenbasierte System. Verblüffend, dass so etwas einem Fanprojekt entspringt. Jagged Alliance 2 wird es sicher wegen der vielen Mängel, der teilweise wenig abwechslungsreichen Spielphasen und der nicht ganz so ausgeklügelten Spielmechanik nicht vom Thron der Taktikspiele stoßen können. Schön wären ein paar Patches, die die gröbsten Bugs beseitigen würden und auf jeden Fall ein 2. Teil. (kbd)

PRO:
+ vielseitiges, realistisches Kampfsystem
+ gute künstliche Intelligenz
+ große Auswahl an Waffen und Ausrüstung
+ Ausrüstung und Waffen vielseitig modifizierbar
+ viele Quests
+ 3 verschiedene Fraktionen wählbar
+ große Karten

CONTRA:
- schlechte Lokalisierung mit häufigen Übersetzungsfehlern
- veraltete Grafik
- wenig Sounds und Sprachausgabe
- schlechte Wegfindung
- einige Questbugs
- schwerer Einstieg

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