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Re: Hard Life addon
  Milchknilch
02.02.2017, 22:00
Re: Hard Life addon
  dusty
02.02.2017, 19:48
Re: Hard Life addon
  Milchknilch
01.02.2017, 23:24
Re: Hard Life addon
  dusty
01.02.2017, 21:07
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Wenige Tage vor der offiziellen Veröffentlichung hatten wir, nach dem umfangreichen Preview von kbd, die Gelegenheit auch die Verkaufsversion ausführlich zu testen - Ergebnis ist dieses Review von friede, das sich als eine Fortsetzung des Previews versteht und einer zweiten Meinung entspricht. Von daher empfiehlt es sich vorher eine Blick in das Preview zu werfen! ;-)


Die Previewversion von Hired Guns: The Jagged Edge hat unseren kbd wenig begeistern können. Grundsätzlich teile und unterstütze ich alle von ihm angeführten Kritikpunkte aus meinen Erfahrungen mit der Preivewversion, die ich aber aus Zeitmangel nur wenige Stunden lang antesten konnte. Diese wenigen Stunden habe ich aber doch, bei aller Kritik, als unterhaltsam und spielenswert empfunden. Deshalb ist dieses Review auch als eine Art zweite Meinung zu verstehen.

Von "bösen Geistern" und "widerlichen Würmern"

Erfreulicherweise sind mir in der Previewversion keine Bugs aufgefallen. Umso ärgerlicher war es, dass ich gleich in den ersten Minuten mit der Verkaufsversion Opfer von gleich zweien dieser "widerlichen Würmer" geworden bin: So sollte man nicht erst Söldner anheuern und dann den eigenen Söldner erstellen, wie ich jetzt weiss, denn dann lässt sich dieser, warum auch immer, nicht mehr dem Trupp zuordnen. Nun gut, direkt zu Beginn ist ein Neustart noch nicht tragisch und ich erstelle meinen eigenen Söldner beim nächsten Versuch bevor ich weitere Söldner anheuere. Als ich mit meinem neu zusammengestellten Söldnertrupp dann die erste Karte betrete folgt der zweite Bug. Der eigene Söldner lässt sich, im Gegensatz zu den anderen Söldnern nicht auf der Karte platzieren und nach ein paar Klicken stürzt das Spiel ab. Ein ziemlich misslungener Einstieg. Sollte mein kurzer Eindruck aus der Previewversion mich doch getäuscht haben?


Zu meiner Überraschung tauchen während der ganzen weiteren Testphase keine weiteren Bugs auf, wie "böse Geister" sind diese "widerlichen Würmer" plötzlich nicht mehr auffindbar. Dafür sind jetzt auf der ersten Karte in der Hütte der Banditen, im Gegensatz zur Demo- und Previewversion, zur Belohnung gleich drei M1-Gewehre mit Munition zu finden. Damit sollen wohl die sehr schwierigen und frustrierenden ersten Kämpfe im Spiel etwas entschärft werden, was auch gelingt.

Neuauflage von Jagged Alliance 2

Eigentlich sollte Hired Guns zunächst unter dem Namen Jagged Alliance 3D als eine Neuauflage von Jagged Alliance 2 mit moderner Grafik, aber altbewährten Spielprinzip veröffentlicht werden. Daraus ist bekanntermaßen nichts geworden. An der Grafik liegt das nicht. Von ein paar kleineren Grafikfehlern und der typischen Unübersichtlichkeit der 3D-Ansicht im Vergleich zur klassischen isometrischen Ansicht mal abgesehen lassen sich hier nur Details bemängeln. Die Karten sind liebevoll mit vielen Details gestaltet, das Leveldesign ist genauso gelungen wie Animationen und Ragdolleffekte. Söldner und auch Gegner könnten allerdings jenseits der Portraits etwas individueller aussehen. Gerade letztere wirken wie Clone, was besonders deutlich wird wenn man nur gegen ein bestimmte Truppengattung kämpft.

Ansonsten werden sich Fans der Jagged Alliance Reihe sofort heimisch fühlen, denn die Gameplayelemente sind fast 1zu1 übernommen worden. Fast alles vom erstellen des eigenen Söldners, über das Anheuern weiterer Söldner bei zwei konkurrierenden Söldnerunternehmen bis zu den taktischen Kämpfen und dem Interface läuft nach dem altbekannten und bewährten Prinzip ab. Wie es sich für eine Neuauflage gehört, auch wenn sie jetzt nicht mehr offiziell als solche gelten darf. Ein paar mehr eigene Ideen und eigene Einflüsse hätten aber sicher nicht geschadet. Tatsächlich beschränken sich diese fast ausschließlich auf die Grafikengine und das Leveldesign.

Einige kleine Verbesserungen

Trotzdem gibt es einige kleine aber feine Verbesserungen gegenüber dem allgegenwärtigem Vorgänger. Die vormals umständliche Lagerverwaltung ist z.B. auf recht einfache Weise deutlich optimiert worden. Das Szenario wirkt insgesamt etwas glaubwürdiger und die fünf verschiedenen konkurrierenden Fraktionen bereichern das Gameplay. Die Finanzierung der eigenen Aktivitäten wird nicht mehr nur durch die Erträge der Minen, sondern durch weniger spezifizierte Einkünfte aus den eroberten Sektoren getragen. Diese lassen sich durch anfänglich Investitionen deutlich steigern. Kontrolliert man zum Beispiel den einzigen Minensektor, so kann man in einen zusätzlichen Minenstollen investieren oder den Verladebahnhof ausbauen, was die täglichen Einkünfte des Sektors deutlich steigert. Solche Verbesserungen und Innovationen beschränken sich aber fast ausschließlich auf den strategischen Teil des Gameplays.

Beim taktischen Gameplay hat sich auf den ersten Blick wenig getan, was (zunächst) besonders Fans der Jagged Alliance Reihe wenig stören sollte. Einige der von JA2: Unfinished Business eingeführten Features hätte man allerdings übernehmen sollen. So wäre die Anzeige von geeigneter Deckung und vor allem von Sichtlinen sehr sinnvoll und hilfreich gewesen.


Besonders letztere werdet ihr schmerzlich vermissen, denn wegen Unebenheiten des Terrains dank der 3D-Engine lässt sich nur sehr schwer einschätzen, ob sich das Anvisieren des Gegners wirklich lohnt und ein Schuss erfolgversprechend ist. Oft verhindert dies nur eine kleine Bodenwelle, die kaum auszumachen ist. Ähnliches gilt für Bäume und Sträucher. Tatsächlich erweist sich das Liegendschießen als wenig erfolgreich und aufstehen ist fast immer nötig.

Zum Glück haben aber nicht nur wir als Spieler dieses Probleme. Auch die KI scheint daran regelmäßig zu scheitern. Jedenfalls sind sehr oft gegnerische Kämpfer, die zunächst ihr Ziel anvisieren, dann aber doch nicht schießen zu sehen. Ähnliche Probleme gibt es auch bei der Wegfindung. Die KI der Gegner beinhaltet eine wesentliche Änderung beim taktischen Gameplay. Leider erreicht diese nicht annährend das Niveau von Jagged Alliance 2. Vielmehr scheinen hier weiterhin die KI-Routinen früherer Titel von MiST land, wie Paradise Cracked oder Cops 2170, benutzt zu werden. Hier hat das Entwicklerteam wohl eine große Chance ausgelassen, auch im Hinblick auf weitere Taktikspiele, denn bekanntermaßen hatte man über lange Zeit die Möglichkeit auf das Innenleben von Jagged Alliance 2 zurückzugreifen.

Weit- und Zielwurf als Volkssport an der Diamantenküste?

Auch nur halbwegs verschlagene Angriffstaktiken braucht man von der KI nicht zu erwarten. Üblicherweise rennen die meisten Gegner beim ersten Schuss in diese Richtung und lassen sich dann wie Schlachtvieh ihrer Bestimmung zuführen. Dies gilt besonders wenn man seine Söldner auf einem Dach platziert hat (wie man schon auf der ersten Karte feststellen kann) oder in relativ offenem Gelände kämpft und mündet in der Regel in einem echten "Massaker".

Zu Nahe sollte man die Gegner aber nicht kommen lassen, denn sobald ein Gegner eine Granate zückt kann man eigentlich schon gleich die Taste fürs Schnelladen drücken. Die gegnerischen Söldner treffen nämlich aus aberwitzigen Entfernungen mit ihren Granaten punktgenau das Ziel. Dazu sind sie auch im Vergleich zu den eigenen Söldnern, gerade am Anfang, extrem gute Schützen wie sich spätestens auf der zweiten taktischen Karte erfahren lässt. So wird der eigene, auf einer Anhöhe liegende (!) Söldner, von einem gegnerischen Offizier, der nur mit einer billigen Pistole bewaffnet ist, aus dem Tal zielsicher und verheerend getroffen. Er selbst, trotz einem Gewehr mit dreimal so hoher Reichweite, verfehlt von oben herab aber deutlich. Offensichtlich müssen die KI-Mängel irgendwie kompensiert werden, was gerade zu Anfang für viel Frust sorgt.

Zum Glück scheinen aber nicht alle gegnerischen Kämpfer potentielle Selbstmörder zu sein. Hat man die erste Welle der Gegner erfolgreich bekämpft verhalten sich die verbliebenen Gegner meist etwas geschickter und verbleiben in Deckung. Diese Gegner sind sehr deutlich schwerer auszuschalten, auch wenn sich das Kräfteverhältnis bis dahin meist schon umgekehrt hat. Hier genügt es nicht mehr nur das Feuer zu konzentrieren und möglichst geballt anzugreifen, sondern Taktiken wie das "in-die-Zange-nehmen" oder von hinten Anschleichen werden sinnvoll.

Beam Me Up, Scotty!

Neben der ausgeklügelten Spielmechanik hat Jagged Alliance 2 vor allem durch relativ großen Realismus, eine lebendige Spielwelt und viel Liebe zu Detail gepunktet. Möglicherweise aus Rücksicht vor dem sogeannten "Casual Gamer", der zu großen Realismus und Mikromanagement angeblich fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, hat man diese Punkt sehr stark vereinfacht. So benötigen die Söldner keinen Schlaf mehr und treffen unmittelbar nach dem Rekrutieren am gewählten Ort ein, ebenso wie bei "Dinky Jay" erworbene Waffen. Anscheinend befindet sich das "Raumschiff Enterprise" im Orbit um die Erde und "Scotty" höchstselbst bedient den Transporter...

Überhaupt muss man in Hired Guns auf viele kleine Details verzichten. So gibt es keinen Tag-Nacht-Wechsel. Die Nächte sind allgemein nicht sehr dunkel, weshalb es keine Leuchtstäbe gibt. Es gibt jenseits von stationäre Waffen und Türen fast keine benutzbaren Objekte und selbst auf das beidhändige Schießen mit zwei Pistolen muss man verzichten. Skurilerweise können weder Söldner noch Gegner über Zäune klettern.


Leider sind auch die Rollenspielelemente stark vereinfacht worden. Hatte in Jagged Alliance 2 noch jeder Söldner, neben dem Körperwerten von Stärke über Treffsicherheit bis zu Medizin, noch zwei Spezialfähigkeiten sucht man diese in Hired Guns vergeblich. Zwar steht in den grundsätzlich gut geschriebenen und glaubhaften Biographien der Söldner oft etwas von einer Vorliebe für Automatische Waffen oder Nachteinsätze, in der Praxis scheint dies aber keine Rolle zu spielen. Weiterführende Statistiken der Söldner wie die Trefferquote oder wie sich die Söldner im Laufe des Engagements verbessert haben sucht man ebenfalls vergeblich.

Nicht nur nach heutigem Standard geradezu verwerflich ist die Tatsache, dass man für den eigenen Söldner lediglich aus jeweils drei Portraits für Mann und Frau auswählen kann. Die Stimme des Söldners darf man gar nicht erst wählen, denn hier steht nur jeweils eine einzige zur Verfügung. Leider beschränkt sich das Erstellen des eigenen Söldners somit auf dem Festlegen der Körperwerte. Der obligatorische Fragebogen scheint keinen wirklichen Effekt zu haben. Jedenfalls habe ich davon bisher nichts gemerkt. Zu einigen Fragen konnte ich mich dazu mit keiner der Antwortmöglichkeiten identifizieren.

Interaktion, Vertonung und Lokalisierung

Leider ist die Welt von Hired Guns sehr leblos. Es gibt nur sehr wenige Nicht-Spieler-Charaktere mit denen man auch Interagieren kann. Die Interaktion läuft dann über das Durchklicken von Texten ab, vertont sind diese Gespräche in der Regel nicht. Im Gegensatz zum großen Vorbild sind auch die Charakterportraits nicht animiert, wodurch auch einiges an Flair verloren geht. Die Söldner haben zwar auch Beziehungen untereinander, diese äußern sich aber nur in der Form, dass sich manche Söldner nicht mehr rekrutieren lassen, wenn ein bestimmter anderer Söldner oder ein Söldner von verhasster Nationalität schon im Teammitglied ist. Das Gegenteil ist freilich auch der Fall. Die Söldner geben zwar regelmäßig Weissheiten von sich, die durchaus hörenswert sind und den eigenen Charakter des Söldners betonen, Kommentare der Leistungen anderer Söldner und ähnliches gibt es aber nicht wirklich.

Jenseits dieser Mankos ist die Lokalisierung durchaus gelungen. Die Stimmen der Söldner wirken authentisch. Keine Stimme klingt ähnlich. Auch bei den Texten sind mir keine Übersetzungsfehler und andere Lokalisierungsschnitzer aufgefallen. Hier hat Morphicon ganze Arbeit geleistet. Das Handbuch ist grundsätzlich gut geschrieben, leider sind aber einige wichtige Informationen nicht enthalten. Eine Beschreibung der Körperwerte und ihrer Auswirkungen auf der Gameplay wäre z.B. recht hilfreich gewesen. Gerade wenn sie, wie bei "Führungsqualität" nicht selbsterklärend sind.

Verbesserungen beim Gameplay sind leider in der deutschen Vollversion, im Vergleich zur Demo- und Previewversion, nicht vorhanden. Lediglich der Bug, wonach demoralisierte oder verletzte Gegner nicht fliehen, sondern am Rand der Karte im "Schwarzen" verbleiben, ist behoben worden.

Fazit:


Eigentlich war es wie gesagt mein Ziel mit diesem Review eine zweite Meinung zum Preview von kbd zu verfassen, der das Runden-Taktikspiel bekanntermaßen ziemlich verrissen hat, und dabei meinen insgesamt positiven Eindruck deutlich zu machen. Herausgekommen ist aber bis jetzt ein ähnlicher Verriss. Leider gibt es viele Mängel, frustrierende Momente und fehlende Liebe zum Detail, gerade weil Jagged Alliance 2 die Meßlatte sehr hoch gelegt hat.

Im Vergleich zum gängigen Echtzeit-Strategie-Einerlei hebt sich Hired Guns aber trotzdem erfreulich ab. Trotz aller beschriebener Mängel und frustrierender Momente ist zumindest bei mir ein vergleichbares Suchtpotential geweckt worden wir beim großen Vorbild. Es ist wohl tatsächlich so wie es an anderer Stelle von jemand anderem schon einmal gesagt worden ist: "Lieber mittelmässige Rundentaktik als kopierte Echtzeitstrategie."

Hired Guns: The Jagged Edge erfindet das Rad nicht neu, bleibt in vielen Punkten hinter den Erwartungen zurück, ist aber ohne Zweifel der bisher beste Titel des Entwicklerteams. Herausgekommen ist ein grundsolides und spielenswertes Taktikspiel. Als Fan der Jagged Alliance Reihe und von gepflegten Runden-Kämpfen führt aktuell wohl kein Weg an Hired Guns vorbei, leider aber auch mangels Alternativen. (friede)

Top
+ Endlich mal wieder Runden-Taktik
+ Stimmungsvolle 3D Grafik
+ Gutes Leveldesign
+ Riesiges Waffenarsenal
+ Erweitertes strategisches Gameplay
+ 5 verschiedene Fraktionen
+ Zerstörbare Umgebung
+ Einfache Lagerverwaltung
+ Ragdolleffekte
+ viele wählbare Auflösungen,
auch Widescreenauflösungen

Flop
- Dumme KI
- Lange Ladezeiten
- Schlechte Spielbalance
- unübersichtlicher Taktikmodus
- unkomfortabele Bedienung
- katastrophale Minimap
- Kein Tag- und Nachtwechsel


Testrechner

BenQ Joybook S73G, Core Duo T2400 1.83GHz, 512MB, ATI Mobility Radeon X1600, Windoof XP Pro




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